Kaiser Sigismund

Im Jahre 1415 übertrug der Kaiser die Kurwürde und das Erzkämmereramt des Heiligen Römischen Reiches auf Friedrich VI. von Hohenzollern, Burggrafen von Nürnberg, und gab ihm das Land Brandenburg durch Schenkung zu eigen. Der Kurfürst, den wir fortan Friedrich I. nennen, empfing die Belehnung aus den Händen seines Wohltäters im Jahre 1417 auf dem Reichstag zu Konstanz.“ (Friedrich der Große, Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg)

Bei besagtem Kaiser handelt sich um unseren Sigismund und der hat heute Geburtstag. In unserer alten deutschen Reichsstadt Nürnberg wurde er 1368 geboren und regierte von 1411 bis 1437. Er war der letzte deutsche Herrscher aus dem Hause der Luxemburger. Die Kaiserwürde erlangte er 1419. Seine Herrschaft muß als durchwachsen angesehen werden. Schuld daran sind die Hussiten, die mit ihrer eigentümlichen Mischung aus Wagenburgen und religiösem Fanatismus unseren Kaiser Sigismund 15 Jahre in Schach hielten und in unserem alten deutschen Reich Verwüstungen angerichtet haben wie wir sie seit den Tagen der Ungarneinfälle nicht mehr gesehen hatten. Den Anstoß für den Aufstand der Hussiten hatte unser Kaiser Sigismund mit der Verbrennung des Jan Hus auf dem Konstanzer Konzil selbst gegeben. Durch die Heirat mit Maria von Anjou war unser Kaiser Sigismund seit 1387 König von Ungarn und mußte als solcher sich den beständigen Angriffen der Türken erwehren. Ein umfangreicher Gegenangriff scheiterte mit der Niederlage des Kreuzfahrerheeres 1396 bei Nikopolis. Im Jahre 1405 nahm unser Kaiser Sigismund Barbara von Cilli zur Frau. Diese gebar ihm die Tochter Elisabeth, die Albrecht von Österreich heiratete. Der Habsburger wurde zum Nachfolger unseres Kaiser Sigismund von den Kurfürsten gewählt. Unser Geschichtsschreiber Eberhard Windecke kommt mal wieder auf das Konstanzer Konzil zu sprechen: https://archive.org/details/bub_gb_inMRAAAAYAAJ

Das Konzil zu Konstanz währte, wie Du oben gelesen hast, wohl vierte halb Jahre. Inzwischen war der König einmal in England, kam herüber nach Calais und war in großer Sorge, wie er von da nach Seeland käme. Denn da der König dem Herzoge von Burgund nicht genug traute um durch sein Land zu reiten, so hatte er die Bürger von Brügge, Gent und Antwerpen um sicheres Geleit gebeten. Aber der Herzog von Burgund wollte nicht gestatten, daß die Städte und das Land ihm Geleit gäben, indem er behauptete, er sei Herr in Flandern. Daher sandte der König, weil er ihm nicht trauen wollte, eine Aufforderung an die Stadt Dordrecht ihm kleine Fahrzeuge nach Calais zu senden, in denen er auch abfuhr. Der König von England aber sandte dem römischen Könige vier große Schiffe mit Rittern und Knechten zu, die ihn auf der See behüten sollten. Die Fahrt nach Dordrecht machte dieser dicht am Lande entlang, und zwar fuhr er deshalb in den kleinen Schiffen, weil er vor den Engländern ebenso besorgt war als vor den Franzosen, denn diese beiden Parteien lagen mit großer Macht auf der See. Hätten sie nun dem Könige Böses zufügen wollen, so hätten sie doch mit den großen Schiffen nicht an die kleinen herankommen können. Denn diese fahren dem Lande zu nahe und hätten auch in kleine Buchten entweichen können, die für die großen nicht zugänglich waren. Mit solcher List kam der König nach Dordrecht. Als der König Sigmund von Calais schied, schenkte ihm der König von England zwei ganz goldene Kannen, die 22 Mark Gold wogen, und darin fünftausend Nobel, ferner einen goldenen Becher und eine goldene Mischkanne im Gewicht von achtzehn Mark Gold. Ebenso schenkte der Graf von Warwick dem Könige zwei silberne vergoldete Becher im Gewichte von achtzehn Mark Silber. Diese und andere Kostbarkeiten ließ der König durch mich, Eberhard Windecke, zu Brügge in Flandern versetzen. Ich versetzte sie für achtzehntausend Gulden und so blieben sie [daselbst] wohl ein halb Jahr stehen, während der König den Rhein hinauf nach Konstanz zog, wie Du oben gelesen hast. Als der König damals nach Konstanz gekommen war, ging er abermals zu Rate, wie man mit dem Papste Johannes verfahren sollte, der des Konzils Gefangener war. Da kamen der König und das Konzil überein, daß man den Papst Johannes dem Herzoge Ludwigs überantworten sollte, damit dieser ihn in seinem Gewahrsam behielte bis zur Entscheidung des Konzils, und bis ein neuer Papst gewählt sei. Dies tat der Herzog und bewachte ihn zu Mannheim am Rheine. Wie dieser Papst Balthasar de Cassa frei wurde, findet man unten erzählt. Als der römische König zu Konstanz war, war ich, Eberhard Windecke, für denselben Bürge zu Brügge in Flandern bei den erwähnten Kostbarkeiten für zweimal hunderttausend Kronen, in Folge wovon ich auch siebzehn Wochen zu Brügge bleiben mußte. Da der König mir kein Geld sandte, ließ ich mir Urlaub von dem Kaufmanne geben, ritt nach Konstanz und lag dem Könige so oft und dringend mit meinen Bitten an, daß er zornig ward und sprach: er wolle mir meine Mutter schänden. Doch gab er mir in demselben Zorne viertausend ein und fünfzig Kronen und stellte mir einen Brief aus, daß mir die Kaufleute von Lübeck zu Brügge neuntausend rheinische Gulden zahlen sollten. Denn Rat und Gemeinde zu Lübeck waren nicht einig gewesen, da die Gemeinde den Rat vertrieben hatte und als der Rat wieder zurückgeführt werden sollte, zahlten sie das Geld. Letzteres geschah im Monat Juli, und wäre dieser Monat zu Ende gegangen, so wären dem Könige die Kleinodien verloren gegangen, wenn ich die zweimal hunderttausend Kronen nicht gezahlt hätte, und deshalb hatte ich den König so sehr gedrängt. Als ich nun das Geld erhalten hatte, eilte ich, Eberhard Windecke, von Konstanz über Straßburg nach Brügge zu Wagen und zu Wasser, so daß ich mit meinen Knechten in neunte halb Tagen von Konstanz nach Brügge in Flandern kam. Dort gab ich den Welschen und den Kaufleuten die Briefe vom Könige und sie wunderten sich sehr über das kurze Datum der Briefe. Der Kaufmann sagte mir zu das Geld zu geben und die andern versprachen die Pfandgegenstände herauszugeben. Demnach gab ich ihnen ihr Geld und nahm die Kleinodien in Empfang. Unter den Kostbarkeiten war ein rein goldenes Marienbild, was wohl achthundert Nobel wert war. Dieses Marienbild hatte der König mir befohlen unserer Frauen Brüderschaft zu Dordrecht zu schenken, denn in diese war er aufgenommen, als er zu Dordrecht war. Ich tat das und erhielt eine Bestätigungsurkunde dafür von der Stadt. Die oben erwähnten Kostbarkeiten wagte ich nicht mit mir zu nehmen, da ich um derselben willen erschlagen worden wäre, weil man in Flandern wohl wußte, daß ich wegen der Kostbarkeiten dort war. Dies sind die Kleinodien: Zwei goldene Kannen; ein goldener Becher; ein goldenes Mischkännchen, welche zwei und sechzig Mark Geldes hatten; hundert und sechs und neunzig Saphire und Pallas; dreihundert Perlen, von denen jede auf vier Kronen geschätzt wurde; ein Halsband der Gesellschaft des Königs von England, an dem eine Kapsel befestigt war mit einem köstlichen und schönen auf neuntausend Gulden geschätzten Diamanten, einem Rubin im Werte von elftausend Kronen und mit einer auf zwölfhundert Kronen geschätzten Perle, die größer war als eine Bohne; diese Kapsel drückte ich in gelbes Wachs ab; ein Hosenband der Gesellschaft Sankt Georg, wie man es in England trägt, auf sechstausend Kronen geschätzt; eine goldene mit Perlen und Edelsteinen besetzte auf zweitausend zweihundert Kronen geschätzte Flasche. Das beschriebene Halsband und die goldenen Geschmeide vertraute ich einem Kaufmann aus Nürnberg Namens Anton Riegeler an, der sie mir nach Köln brachte, die übrigen Kostbarkeiten übergab ich den Nürnberger Kaufleuten Claus Rommel und Jakob Teuffel. Für ungefähr zehntausend Gulden hatte ich dem Könige noch Wertgegenstände gekauft: golddurchwirkte seidene Tücher, seidene Tücher zu Chorröcken, Pelzröcke von Buntwerk und Schwarzfuchsfellen. Alles dies packten sie in ihren Kaufmannsschatz und schickten es nach Köln. Ich aber ritt in Brügge mit meinen zwei Knechten über den Marktplatz vor die Halle und das Rathaus, so daß viele Leute sahen, daß weder ich noch meine Knechte irgend etwas mit führten. Ich wagte nicht einmal meine Knechte einen Mantel tragen zu lassen, damit man nicht dächte, daß ich die Kleinodien hätte und damit ich nicht gefangen oder ermordet würde. Zu Köln fand ich darauf die Güter und Kostbarkeiten vor und brachte sie zu Schiffe nach Mainz, wo ich sie meinen Vetter Konrad Eisenecke, meine Base Imche, meine Base Katharine zu Schenkenberg, Guttens Schwester, die Alte zu Lichtenberg, und Katharine zu dem Flusse sehen ließ. Der letzteren hing ich das köstliche Halsband um. So brachte ich die Kleinodien mit Gottes Hilfe nach Konstanz…“

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