Feldmarschall Edwin von Manteuffel

Ein vollkommener Feldherr besteht nur in der Idee, wie die Republik Platos, das Gravitationszentrum der Philosophen und der Stein der Weisen. Vollkommenheit ist den Menschen in nichts beschieden. Allein das Bewußtsein unsrer Unvollkommenheit darf uns nicht abhalten, Ideale aufzustellen, damit edle, von Ehrgefühl und Wetteifer beseelte Geister ihnen nahe kommen, wenn sie sie auch nicht ganz erreichen können. Überhaupt sind es die großen Beispiele und Muster, die die Menschen bilden. Wenn schon Helden wie Eugen, Conde, Turenne oder Cäsar unsre Bewunderung erregen, wieviel mehr muß uns dann erst ein Bild ergreifen, das ihre verschiedenen Vollkommenheiten vereinigt darstellt!“ – Friedrich der Große, „Die Generalprinzipien des Krieges“

Zu jenen großen Feldherren, die man sich zum Vorbild nehmen soll, gehört ganz unzweifelhaft auch unser Feldmarschall Edwin von Manteuffel. Er gehörte zu den Mitstreitern Moltkes des Älteren in unseren deutschen Einigungskriegen. Beim Gottesurteil von Königgrätz kämpfte er zwar 1866 nicht mit, sorgte aber im Westen und im Süden dafür, daß die Parteigänger der Lothringer dem Haus Hohenzollern keinen Abbruch tun konnten. Im Gallierkrieg von 1870 bis 1871 führte er zuerst unser I. Armeekorps und dann unsere I. Armee. Vor Metz kämpfte er in den Schlachten von Colombey und Nouilly und half unserem Prinzen Friedrich Karl dabei die gallische Rheinarmee in der Festung zur Aufgabe zu zwingen. Bei Amiens und an der Hallue schlug er die Gallier und erhielt im Januar 1871 den Oberbefehl über die neue Südarmee. Mit dieser verfolgte er die an der Lisaine geschlagenen Gallier bis in die Schweiz, wo diese von den Eidgenossen entwaffnet und damit neutralisiert wurde. Im Jahre 1873 erhielt er seinen wohlverdienten Marschallstab und wurde 1879 zum Statthalter Lothringens ernannt. Geboren wurde unser Feldmarschall von Manteuffel im Jahre 1809 in Dresden. Seine kriegerische Laufbahn begann er 1827 bei der Reiterei in unserem preußischen Heer. Seine Friedenslaufbahn kann sich sehen lassen. Ausgezeichnet wurde unser Feldmarschall von Manteuffel für seine Waffentaten mit dem Blauen Verdienstorden Friedrichs des Großen mit Eichenlaub, das Eiserne Kreuz beider Klassen samt Großkreuz, den Hausorden der Hohenzollern sowie den Roten und den Schwarzen Adlerorden. Zum Weib nahm er 1845 Hertha von Witzleben, die ihm eine Tochter und drei Söhne schenkte. Einen kurzen Abriß über das Leben unseres Feldmarschalls von Manteuffel hat uns unser Geschichtsschreiber Hanns von Zobeltitz in seinem Buch „Dreißig Lebensbilder deutscher Männer aus neuerer Zeit“ gegeben: https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/titleinfo/3997488

„Edwin Karl Rochus von Manteuffel, der große Kriegsmann und der weitblickende Diplomat, wurde am 24. Februar 1869 zu Dresden geboren. Sein Vater stand in sächsischen Diensten, wenn auch das alte Geschlecht derer von Manteuffel aus Pommern stammte. Erst als nach dem Wiener Kongreß und nachdem endgültig mit dem französischen Zwingjoch über Deutschland abgerechnet war, im Jahre 1814 die Provinz Sachsen an das Königreich Preußen kam, wurde mit seinem Vater auch der junge Edwin wieder Staatsangehöriger des Preußens, dessen überzeugtester Diener er dereinst werden sollte. Seine erste Erziehung genoß Edwin im elterlichen Hause, in straffer, aber liebevoller Zucht, geleitet von den feingebildeten, streng religiösen Eltern und einem ausgezeichneten Hauslehrer, der es zumal verstand, in seinem lebhaften, empfänglichen Zögling eine glühende Begeisterung für die deutsche Literatur und Geschichte zu erwecken. Besonders wurde Schiller des Knabens Lieblingsdichter. Den Wallenstein wußte er bald auswendig und noch in späteren Jahren begab er sich nie auf Reisen, ohne ihn bei sich zu haben. König Wilhelm neckte seinen vertrauten Diener bisweilen sogar ein wenig mit dessen Vorliebe für Schiller. Im Frühjahr 1865 zum Beispiel, als es sich darum handelte, ob das soeben eroberte Schleswig-Holstein dem preußischen Staate einverleibt werden sollte oder nicht, fragte der König ihn einmal im Scherz: „Nun, Manteuffel, was soll daraus werden, was sagt Ihr Wallenstein dazu?“ Aber Manteuffel besaß die köstliche Gabe des schlagfertigen Wortes; ohne sich zu besinnen, entgegnete er sofort mit Wrangels Versen, die leicht in Schillers herrlichem Drama zu finden sind, indem er nur statt „Schweden“ „Preußen“ und anstatt „fallend“ „siegend“ einsetzte: „So vieler Preußen adeliges Blut Es ist um Gold und Silber nicht geflossen! Und nicht mit magerm Lorbeer wollen wir Zum Vaterland die Wimpel wieder lüften: Wir wollen Bürger bleiben auf dem Boden, Den unser König siegend sich erobert.“ König Wilhelm versank, von dem treffenden Vers überrascht, in tiefes Nachdenken. – Der Knabe war von schwankender Gesundheit; eine heftige Krankheit, welche er sich zuzog, als er einem am Typhus erkrankten Handwerker eine Flasche stärkenden Weins selbst in das Haus trug, hatte sogar sein Augenlicht schwer geschädigt und hinterließ eine dauernde Kurzsichtigkeit. Trotzdem entschied er sich für die militärische Laufbahn und trat mit soeben vollendetem 18. Lebensjahr in das erste Garde-Dragoner-Regiment in Berlin ein. Man hatte die Eltern dringend gewarnt: das Aussehen Edwins war damals so zart, daß sogar der Regimentsarzt bei der Untersuchung des jungen Mannes ernstlich von dem Eintritt abraten zu müssen glaubte. Aber er selbst war entschlossen, auszuharren: frische Luft und ordentlich Diensttun, so meinte er, würden ihn kräftigen, und wenn er andrerseits selbst am besten wußte, daß ihm bei seinem weiteren Fortkommen weder Vermögen noch einflußreiche Verbindungen zur Seite stehen würden, so schlug er dafür seine eigene eisenfeste Willenskraft um so höher an. Und diese bewährte sich in der Tat in wunderbarer Weise. Edwin Manteuffel war unverdrossen im Dienst, er tat mehr, als die Vorgesetzten von ihm verlangten. Er besorgte mit der größten Ausdauer die Wartung seines Pferdes selbst, er scheute sich nicht gleich dem gemeinen Dragoner, vor dem er nichts voraus haben wollte, Dünger zu karren und galt in der Abteilung, welcher er zur Ausbildung überwiesen war, bald als ein Mustersoldat. Nach etwa Jahresfrist, und nachdem er die Fähnrichsprüfung mit Auszeichnung bestanden, erlangte er die Epauletten. Der junge Offizier aber war auch jetzt seiner äußeren Erscheinung nach überaus schwächlich. Es wird erzählt, daß die Kameraden noch 1828 meinten, er würde das nächste Frühjahr kaum erleben, ja daß einer derselben bereits in der im Kasino ausliegenden Rangliste ein f hinter dem Namen Manteuffel gemacht habe. Den wenig passenden Scherz entdeckte Edwin eines Tages selbst, als er in der Liste blätterte; der Kamerad erschrak, er aber schlug lächelnd das Buch zu: „Ich hoffe doch wenigstens noch so lange zu leben, daß ich meinem Regiment Ehre machen kann.“ Mit Stolz blickt heute das schöne Garde-Regiment auf den großen Mann und schätzt es sich zur Ehre, daß Edwin von Manteuffel einst unter seiner Standarte den ersten Dienst getan. Des Feldmarschalls Bildnis in dem hellblauen Dragonerrock, den er so gern trug, hat neben dem des Kaisers einen Ehrenplatz im Festsaal des Offizierkorps. – Mit außerordentlichem Eifer gab der junge Leutnant sich nicht nur allen dienstlichen Aufgaben hin, er arbeitete auch unablässig an seiner eigenen wissenschaftlichen Fortbildung. Er. war keiner von jenen, welche genug getan zu haben glauben und hoch und wie befreit aufatmen, wenn sie das lästige Schuljoch abgeschüttelt haben, er wußte, daß eigene spätere Arbeit die Schulkenntnisse vertiefen und unausgesetzt erweitern muß. Ganz besonders fesselte ihn das Studium der Kriegs- und Weltgeschichte und, wie er dereinst auf den Höhen des Lebens den Altmeister deutscher Geschichtsforschung. Leopold von Ranke, stets mit besonderer Freude seinem engeren Freundeskreis zuzählte, so hörte er schon als junger Offizier mit Begeisterung geschichtliche Vorträge und benutzte jede freie Stunde zum historischen Quellenstudium. Nur zu oft störten die Kameraden den Eifrigen mit wohlgemeinten Freundesbesuchen auf seinem einsamen, bescheidenen Stübchen: viel zu höflich, um seinen Gästen zu zeigen, daß sie ihm unbequem seien, verfiel er auf ein sehr außergewöhnliches Mittel, sie fern zu halten; er ließ nämlich mitten im Sommer seine Wohnung so heizen, daß es niemand bei ihm aushalten konnte, während er sich selbst bei seiner großen Willenskraft bald auch an diese Temperatur gewöhnte…“

4 Kommentare zu „Feldmarschall Edwin von Manteuffel

  1. Einer der vielen Gründe, warum unser Kriegsmeister Moltke der Ältere in unseren deutschen Einigungskriegen das Gottesurteil von Königgrätz für die Hohenzollern entscheiden und den Dänen und Welschen aufs Haupt schlagen konnte, war der Umstand, daß ihm viele fähige Heerführer zur Verwirklichung seiner Entwürfe und Pläne zur Verfügung standen. Denn unser Moltke hätte sich mehrfach teilen müssen, wenn er zugleich die welsche Rheinarmee in Metz sowie die welsche Hauptstadt Paris belagern und die gallischen Entsatzversuche hätte abwehren wollen. So aber konnte er diese Aufgaben seinen Heerführern übertragen und mußte diesen nur einige strategisch-operative Leitlinien mitgeben. Einer der größten von Moltkes Heerführern ist nun unser Feldmarschall Edwin von Manteuffel, der Anno 1809 in Dresden geboren wurde. Er begann seine kriegerische Laufbahn Anno 1827 in unserem preußischen Heer bei der Reiterei und stieg schnell auf. Ganz ohne Krieg und Schlachtenruhm – aufgrund der langen Friedenszeit seit Anno 1815 – leite er ab Anno 1857 das Militärkabinett. Zuerst für unseren Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. und dann für unseren Kaiser Wilhelm den Großen. Gegen die Hannoveraner, Bayern und Schwaben focht er Anno 1866 mit großem Erfolg. Ihm wurde daher beim Ausbruch des Welschenkrieg Anno !870 unser I. Armeekorps übertragen. Er kämpfte mit diesem in den Schlachten um Metz und trug mit zur Einschließung der welschen Rheinarmee in unserer alten Reichsstadt bei. Nach deren Aufgabe erhielt er den Oberbefehl über unsere I. Armee, mit der die welsche Nordarmee in Schach hielt und bei Amiens und an der Hallue schlug. Seine größte Aufgabe erhielt er im Januar Anno 1871. Mit unserer neugebildeten Südarmee sollte er die welsche Ostarmee unschädlich machen. Diese wurde an der Lisaine zwar schon von unserem General August von Werder mit seinem Korps an der Lisaine zurückgeschlagen, aber erst durch seine nachdrückliche Verfolgung vermochte unser Feldmarschall von Manteuffel diese feindliche Armee zur Strecke zu bringen. Die Gallier flohen in die Schweiz und ließen sich von den Eidgenossen entwaffnen und festsetzen. Seinen Marschallstab erhielt unser Feldmarschall von Manteuffel Anno 1873 verliehen und wurde zudem noch mit dem Blauen Verdienstorden Friedrichs des Großen (mit Eichenlaub), dem Roten und dem Schwarzen Adlerorden, der I. und II. Klasse des Eisernen Kreuzes sowie des Großkreuzes und dem Hausorden der Hohenzollern ausgezeichnet. Seine Herzensdame Hertha von Witzleben führte er Anno 1845 zum Traualtar und zeugte mit ihr eine Tochter und drei Söhne. Bei unserem Geschichtsschreiber Hanns von Zobeltitz („Dreißig Lebensbilder deutscher Männer aus neuerer Zeit“) hören wir nun von der Niederschlagung des liberalen Zwergenaufstandes Anno 1848-49 und von der Berufung unseres Feldmarschalls von Manteuffel zum Leiter des Militärkabinetts: https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/titleinfo/3997488
    „Der Ernst und die hohe Pflichttreue des jungen Offiziers, der dabei allzeit ein treuer, zuvorkommender Kamerad blieb, lenkte bald die Aufmerksamkeit der höheren Vorgesetzten auf ihn. Man bestimmte ihn zum Besuch der höchsten militärischen Bildungsanstalt, der Allgemeinen Kriegsschule (jetzigen Kriegsakademie, und sein Regimentskommandeur erkor sich ihn, nachdem er drei Jahre hindurch jene Hochschule mit Erfolg besucht hatte, zum Regimentsadjutanten. Der Regimentsadjutant ist in vielen Fällen die Vertrauensperson des Kommandeurs und hat besonders einen bedeutsamen Einfluß auf den Nachwuchs des Offizierkorps: auf die Avantageure. Mancher von meinen jüngeren Lesern wird gewiß seinerzeit auch des Königs Rock anziehen wollen und ihn wird es sicher interessieren, wie man heute noch über die damalige Tätigkeit Manteuffels in seinem Regiment urteilt. „Er wußte“, so erzählt die Geschichte desselben, „bei großer Strenge auch die Liebe und das Vertrauen der Avantageure zu gewinnen. Seine Mahnungen gipfelten in dem einen Gedanken, alle andern Interessen, Geld und Gut, hinter der Verpflichtung zurücktreten zu lassen, dem hellblauen Rock Ehre zu machen. Die unablässige Beaufsichtigung, welche von Manteuffel sowohl dem dienstlichen, wie dem privaten Verhalten der jungen Leute zu teil werden ließ, war diesen zweifellos oft unbequem, einzelne räsonnierten auch wohl, alle aber waren ihm später dankbar und von ihm begeistert.“ Wenn Manteuffel aber – auch in späterer Zeit – von seinen Untergebenen viel verlangte, so meisterte er doch ebenso unausgesetzt an sich selbst herum, und nichts erschien ihm dabei als zu gering: es ist zum Beispiel verbürgt, daß er sich noch als älterer Offizier Kinderschreibhefte anschaffte und während eines Urlaubs mehrere Stunden des Tages damit zubrachte, Buchstaben in geraden Zeilen malte, um seine Handschrift, welche ehedem eine bedenkliche Zeilenneigung nach unten zeigte, zu verbessern. Und seiner eisernen Willenskraft gelang dies wirklich. Bald nach der Thronbesteigung des Königs Friedrich Wilhelm IV., im Jahre 1840, zog dieser den hoffnungsvollen Offizier, der sich inzwischen in Hertha von Witzleben, der Tochter des damaligen Kriegsministers, eine gleichgesinnte Lebensgefährtin errungen hatte, in die Nähe des Hofes: er ernannte ihn zuerst zum persönlichen Adjutanten seines Bruders, des Prinzen Albrecht, nahm ihn aber dann, in den erregten trüben Tagen des Jahres 1848, unter die Zahl seiner eignen Adjutanten auf. Ja, es waren trübe Tage, welche damals über den Hohenzollernstaat hereinzubrechen schienen, jene Tage, in welchen eine verblendete Volksmasse, den aufrührerischen Reden fanatischer Aufwiegler folgend, mit den Waffen in der Hand sich einen Traum von Freiheit und Recht zu ertrotzen suchte. Als ob der Freiheit und des Rechts wahrste Grundlage nicht allzeit die Ordnung und das Gesetz gewesen wären, als ob die Ordnung und das Gesetz jemals bessere, treuere Hüter gehabt hätten, denn es die Könige Preußens waren! Fest und unerschütterlich stand Edwin von Manteuffel in jenen ernsten Zeiten an seines Königs Seite – niemand aber begrüßte die erlösende Tat, niemand jene Stunde freudiger denn er, in welcher General von Wrangel an der Spitze der tapferen Truppen seinen Einzug in das wilderregte Berlin hielt und mit eiserner Besonnenheit die Ruhe wiederherstellte. Um jene Zeit wurde in der Persönlichkeit des jugendlichen Rittmeisters zum erstenmale die hervorragende Gabe diplomatischer Geschicklichkeit entdeckt, welche ihn später so Wunderbares leisten ließ; in jenen Jahren bereits wurde er wiederholt in wichtigen politischen Sendungen an befreundete Höfe entsendet und befestigte sich durch die glückliche Lösung der schwierigen, ihm damit gestellten Aufgaben immer mehr in dem Vertrauen des Königs, während er gleichzeitig langsam, aber sicher eine Stufe der militärischen Hierarchie nach der andern erklomm. Im Februar 1857 berief der König den Oberst von Manteuffel an die Spitze der „Abteilung für die persönlichen Angelegenheiten“ und übertrug ihm damit die verantwortungsvolle Leitung des „Militärkabinetts“, welches bekanntlich die Verabschiedungen und Beförderungen aller Offiziere zu bearbeiten hat. In dieser Stellung blieb Manteuffel auch, als der König schwer erkrankte, und unser nachheriger großer Kaiser Wilhelm I. als Prinzregent für den leidenden Bruder die Zügel der Regierung aufnahm…“

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  2. Der Geburtstag von unserem Feldmarschall Edwin von Manteuffel (1809 in Dresden), eines der bedeutendsten Heerführer in unseren deutschen Einigungskriegen. Namentlich in Gallien hat der bei Colombey, Metz, Amiens, an der Hallue und im Jura den Welschen ordentlich Saures gegeben. Einen Film über unseren Feldmarschall von Manteuffel gibt es mal wieder nicht, aber wir können uns den epischen Bismarck-Film aus den ruhmreichen Tagen unseres alten deutschen Reiches ansehen: https://archive.org/details/Bismarck_1940 Passend dazu kommt unser Geschichtsschreiber Hanns von Zobeltitz („Dreißig Lebensbilder deutscher Männer aus neuerer Zeit“) nun auf die Rolle unseres Helden bei der Durchsetzung der preußischen Heeresreform zu sprechen: https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/titleinfo/3997488
    „Wir müssen hier einen Blick auf die Geschichte jener Epoche tun, um das, was Manteuffel gerade damals für seinen geliebten Herrscher und für sein teures Vaterland leistete, ganz würdigen zu können. Preußen hatte sein Heer seit den Befreiungskriegen nicht vergrößert, feine Könige hatten zwar die Notwendigkeit einer Stärkung der nationalen Wehrkraft sehr wohl erkannt, aber bisher in wohlgemeinter Schonung der Kräfte des Landes immer wieder auf sie verzichten zu müssen geglaubt. Dadurch war leider Preußen in Gefahr gekommen, feine Bedeutung als Großmacht einzubüßen, es besaß nicht mehr die genügenden Machtmittel, um in den großen Fragen der europäischen Politik entscheidend mitzusprechen, es mußte sich sogar innerhalb Deutschlands eine Beschränkung der ihm zukommenden Stellung durch Österreich gefallen lassen. Preußen war durch seine geschichtliche Entwickelung, durch die Taten Friedrichs des Großen und durch sein ausschlaggebendes Vorgehen in den Befreiungskriegen, sowie deshalb, weil es im Gegensatz zu Österreich der einzige reindeutsche Großstaat war, vor allem berufen, früher oder später einmal die Führung in Deutschland an Stelle Österreichs zu übernehmen – es konnte dieser Aufgabe aber nur gerecht werden, wenn es ein starkes, überlegenes Heer besaß. Denn ohne Macht gibt es in der Politik nun einmal kein Recht. Das alles hatte König Wilhelm schon als Prinzregent mit scharfem Blick erkannt, er hatte auch nach reiflicher Prüfung gefunden, daß die Einwohnerzahl und das Einkommen des Staates inzwischen so gewachsen waren, daß sie fast eine Verdoppelung des Heeres sehr wohl gestatteten. Deshalb führte er unter schweren Kämpfen mit einer Volksvertretung, die zu kurzsichtig war, um seine hohen Ziele zu verstehen, die große Reorganisation der Armee durch, über welche meine Leser in dem Lebensbild des Feldmarschalls von Roon ein weiteres nachlesen mögen. Es galt aber nicht nur das Heer zu verdoppeln, es galt auch, ihm tüchtige, jugendfrische Führer schaffen. Und an der Lösung dieser Aufgabe hatte der Oberst von Manteuffel den aller wesentlichsten Anteil. In seiner Stellung an der Spitze des Militärkabinetts beseitigte er mit nicht genug anzuerkennender Energie alle überalterten, nicht mehr völlig felddienstfähigen Offiziere ohne Rücksicht auf Namen und Stand, auf Fürsprache und Ansehen, und sorgte dafür, daß junge, schneidige Männer an deren Stelle traten. Wäre das damals nicht geschehen, so würde unser tapferes Heer sich kaum jemals die großen Erfolge von 1866 und 1870-71 haben erringen können. Eine Flut von Angriffen strömte für dieses rücksichtslose Vorgehen auf Manteuffel nieder, er jedoch setzte ihnen ruhig das Bewußtsein entgegen, nichts als seine Pflicht getan zu haben. Die Pflicht aber stand ihm höher, denn alles! Und noch eine andere, folgenschwere Tat ist sein Verdienst. Er war es damals, welcher den Generalmajor Helmuth von Moltke dem Monarchen zum Chef des Großen Generalstabes der Armee vorschlug, er hatte mit scharfem Blick das Genie des großen Kriegsmeisters frühzeitig erkannt und sorgte dafür, daß dieser auf den wichtigsten Posten in unserem gesamten Heerwesen berufen wurde. Moltke und Edwin von Manteuffel blieben seitdem eng verbundene Freunde und der eine freute sich stets neidlos an dem wachsenden Ruhm des andern. Es kam das Jahr 1864: die erste Waffenprobe der preußischen Armee nach fünfzig langen Friedensjahren. Es kam Missunde und Düppel und Alsen und im Fluge erwarb das vaterländische Heer sich frische Lorbeerreiser zum alten Ruhmeskranze. Was Preußen in jenem Winterfeldzuge an Österreichs Seite errungen, galt es festzuhalten: wenn es möglich war mit dem Kaiserstaat Hand in Hand gehend, wenn es sein mußte, auch gegen dessen Willen aus eigener Kraft. Preußen durfte das Blut seiner tapferen Söhne nicht umsonst geopfert haben, es mußte nach Machterweiterung streben, es konnte die nimmer wiederkehrende Gelegenheit, zugleich an beiden deutschen Meeren, der Ost- und Nordsee, festen Fuß zu fassen, nicht vorübergehen lassen. Schon jetzt schien vielen Einsichtigen der endgültige Austrag des alten Streites zwischen Österreich und Preußen unvermeidlich, aber die Friedensliebe König Wilhelms fand noch einmal einen Ausweg: Osterreich übernahm vorläufig in dem Gasteiner Vertrag des Jahres 1865 die Verwaltung von Holstein, Preußen diejenige Schleswigs, und das Vertrauen des Königs berief an die Spitze der Verwaltung just unseren Edwin von Manteuffel als „Gouverneur“…“

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  3. Ein Preuße von altem Schrot und Korn ist unser Feldmarschall Edwin von Manteuffel fürwahr und so konnte ihm auch die lange Friedenszeit von 1815 bis 1864 nichts anhaben. Umgehend stürzte er sich ins Getümmel unserer deutschen Einigungskriege und half entscheidend dabei mit die Dänen und Gallier zu besiegen und den Thronstreit der Häuser Lothringen und Hohenzollern auszutragen. Namentlich bei der Belagerung von Metz im Jahre 1870 haben wir es ihm wohl allein zu verdanken, daß der große Ausbruchsversuch der gallischen Rheinarmee mißlungen ist. Nicht unbedeutend waren auch seine Schlachtensiege bei Amiens und an der Hallue und als er im Januar 1871 die gallische Ostarmee in die Schweiz trieb, versetzte er den Galliern damit sozusagen den Todesstoß. Im sächsischen Elbflorenz Dresden wurde unser Feldmarschall von Manteuffel im Jahre 1809 geboren. Sein Eintritt in unser preußisches Heer erfolgte 1827. Seine Stammwaffe ist die Reiterei. Neben seiner kriegerischen Laufbahn wurde unser Feldmarschall von Manteuffel immer mal wieder für staatliche Aufgaben herangezogen. So leitete er ab 1857 das Militärkabinett und wurde 1865 zum Statthalter von Schleswig ernannt. Im Jahre 1879 erhielt er gar die Statthalterschaft von Lothringen. Wilhelm der Große (beziehungsweise Friedrich Wilhelm IV. von Preußen) verlieh ihm den Roten und den Schwarzen Adlerorden, das Eiserne Kreuz beider Klassen sowie das Großkreuz, den Blauen Verdienstorden Friedrichs des Großen und den Hausorden der Hohenzollern. Hertha von Witzleben ehelichte unser Feldmarschall von Manteuffel im Jahre 1845. Es gingen eine Tochter und drei Söhne aus der Verbindung hervor. Von Deutschen Krieg des Jahres 1866 und vom Gallischen Krieg der Jahre 1870 und 1871 berichtet uns nun noch unser Geschichtsschreiber Hanns von Zobeltitz („Dreißig Lebensbilder deutscher Männer aus neuerer Zeit“) ein wenig: https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/titleinfo/3997488
    „Es war wiederum eine höchst schwierige und verantwortliche Stellung, die dem Generalleutnant damit wurde. Es galt für ihn nicht nur, mit dem österreichischen General, welcher die Verwaltung Holsteins übernommen, auf gutem Fuß zu bleiben, nicht nur den zahlreichen Parteiungen, welche das ihm anvertraute Land zerspalteten, fest und energisch entgegenzutreten – es galt für ihn auch, dem preußischen Beamtentum und der preußischen Art die Herzen zu erschließen, den Schleswigern wirkliches Vertrauen einzuflößen. Der Erfolg lehrte, wie des Königs so oft bewährter Scharfblick auch diesmal wieder den rechten Mann für das rechte Amt gefunden hatte. Mit Königstreue und Geradheit der Gesinnung, mit Freimut und Gerechtigkeit waltete Manteuffel seiner schweren Aufgabe. Leutselig und doch würdevoll wußte er das Vertrauen aller Gutgesinnten und mindestens die Achtung auch seiner Widersacher zu erzwingen. Mit Mißtrauen hatte man ihn empfangen – als er schied, hatte man ihn verehren gelernt! Es blieb ihm noch vorbehalten, im Jahre 1866 bei dem Ausbruch des unvermeidlichen Konflikts zwischen Österreich und Preußen, jenes Konflikts, der in den Verhältnissen der meerumschlungenen Herzogtümer seinen scheinbaren Ausgangspunkt fand, sich in Wahrheit aber um die politische Vorherrschaft in Deutschland drehte, mit fester Hand und durch äußerst geschickte Maßnahmen auch Holstein zu besetzen und nach dem Zurückweichen der österreichischen Garnisonen das Schwesterland enger an Schleswig anzuschließen, dann riefen ihn neue Ziele auf den Schauplatz des eigentlichen Krieges. Erst unter dem General Vogel von Falkenstein, dann selbst an der Spitze der Mainarmee tretend, löste er die ihm gestellten Aufgaben in hervorragendster Weise – die schnelle Beendigung des Feldzuges gegen die süddeutschen Staaten war zum großen Teil sein Werk. Mit dem stolzen Orden Pour-le-Merite belohnte der dankbare Monarch die Leistungen des Generals. Während in den Jahren 1866 bis 1870 der unter Preußens Führung neu entstandene „Norddeutsche Bund“ innerlich ausgebaut wurde, und die unvergleichliche Staatskunst Bismarcks bereits in geheimen Bündnisverträgen mit den süddeutschen Staaten die Brücke über den Main schlug, lebte Manteuffel zunächst in Merseburg, wo ihm die Gnade des Königs eine Domherrnstelle verliehen hatte, ganz seiner Gesundheit und Erholung, derer er nach den Erregungen der letzten Jahre unbedingt bedurfte, und wurde dann zum kommandierenden General des I. Armeekorps nach Königsberg berufen. An der Spitze dieses ausgezeichneten, von ihm zu höchster Leistungsfähigkeit erzogenen Korps trat er in den Krieg gegen Frankreich, in dem ihm später eine der wichtigsten Rollen zufallen sollte. Nicht umsonst hatte er die Mußezeit zu Merseburg zu ernsten, kriegswissenschaftlichen Studien benutzt, nicht umsonst als kommandierender General den praktischen Dienst mit fast beispiellosem Eifer betrieben. Was aus solchem rastlosen Fleiß der angeborenen Feldherrngabe hinzuwuchs, sagt sein Biograph Keck treffend, das sollte der Feldzug von 1870-71 beweisen. Das I. Armeekorps konnte, in seinen preußischen Garnisonorten am weitesten von der französischen Grenze entfernt, erst ziemlich spät in die entscheidenden Kämpfe eingreifen. Der ersten deutschen Armee zugeteilt, an deren Spitze bekanntlich der General von Steinmetz stand, war es ihm nicht vergönnt, an der Schlacht um die Spicherer Höhen teilzunehmen, dagegen erkämpfte es sich bereits am 14. August in dem Treffen bei Colombey – Nouilly blutige Lorbeeren und nahm dann an der Belagerung der Feste Metz ruhmreichsten Anteil. Es mag hier nur kurz erwähnt sein, daß der erste und größte Durchbruchsversuch der unter Marschall Bazaine in der Moselfestung eingeschlossenen französischen Armee, jener verzweifelte Kampf des 31. August und 1. September um die Höhen von Noisseville, wie das Generalstabswerk besonders hervorhebt, „vorzugsweise an dem heldenmütigen Widerstand der Ostpreußen unter General von Manteuffel scheiterte.“ Schweres Leid drückte gerade während jener glorreichen Tage den General danieder. Sein ältester Sohn war am 18. August bei Sankt Privat so schwer verwundet worden, daß die Ärzte an seinem Aufkommen zweifelten. Dazu traf ihn selbst das Mißgeschick, daß er auf dem von Regengüssen aufgeweichten Boden mit dem Pferde stürzte und den einen Fuß brach. Er hätte um Beurlaubung einkommen, hätte ein Lazarett aufsuchen können, aber sein Pflichtgefühl ließ das nicht zu: er hielt auf seinem Posten aus. Mit dem im Gipsverband ruhenden Fuß ließ er sich alltäglich in einem Korbe zu den Vorposten hinaustragen, spähte selbst mit dem Fernrohr zu den französischen Linien hinüber und versäumte keinen Augenblick in der Wahrnehmung seiner Pflichten. Erleichtert aber atmete er doch auf, als er endlich wieder sein treues Schlachtroß besteigen konnte; eine Schwäche im Fuß blieb freilich zeitlebens zurück, und er mußte sich meist, wenn er ging, eines stützenden Stockes bedienen…“

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