Generaloberst Hans von Seeckt

Ein vollkommener Feldherr besteht nur in der Idee, wie die Republik Platos, das Gravitationszentrum der Philosophen und der Stein der Weisen. Vollkommenheit ist den Menschen in nichts beschieden. Allein das Bewußtsein unsrer Unvollkommenheit darf uns nicht abhalten, Ideale aufzustellen, damit edle, von Ehrgefühl und Wetteifer beseelte Geister ihnen nahe kommen, wenn sie sie auch nicht ganz erreichen können. Überhaupt sind es die großen Beispiele und Muster, die die Menschen bilden. Wenn schon Helden wie Eugen, Conde, Turenne oder Cäsar unsre Bewunderung erregen, wieviel mehr muß uns dann erst ein Bild ergreifen, das ihre verschiedenen Vollkommenheiten vereinigt darstellt! Wie vieler gegensätzlicher Tugenden bedarf es doch für einen Feldherrn! Vor allem setze ich voraus, daß er ein Ehrenmann und ein guter Staatsbürger sei, Eigenschaften, ohne die alle Gewandtheit und Feldherrngaben mehr schädlich als nützlich sind. Ferner verlangt man von ihm Verstellungskunst und dabei doch den Anschein von Natürlichkeit, Sanftmut und Strenge, stetes Mißtrauen und unerschütterliche Ruhe. Er soll seine Soldaten aus Menschlichkeit schonen und doch zuweilen verschwenderisch mit ihrem Leben umgehen, soll mit dem Kopfe arbeiten und doch tatkräftig handeln, verschlossen und gründlich sein, über alles Bescheid wissen, nie eine Sache über einer andern vergessen und die kleinen Details, von denen so oft Großes abhängt, nicht vernachlässigen, noch als zu gering ansehen.“

Sagt Friedrich der Große in seinen Generalprinzipien des Krieges und zu den großen Feldherren, die man sich zum Muster nehmen sollte, gehört auch unser Generaloberst Hans von Seeckt, dessen Geburtstag wir heute feiern. In Schleswig 1866 geboren entsprach seine kriegerische Laufbahn dem üblichen Weg eines Sprosses einer alten preußischen Soldatenfamilie. Sein Eintritt ins deutsche Heer erfolgte 1885 und im Frieden brachte er es bis zum Oberstleutnant und zum Stabschef unseres III. Armeekorps. Mit diesem kämpfte er 1914 in Gallien und wurde 1914 zum Stabschef von Mackensens neuer XI. Armee ernannt. Gemeinsam durchbrachen sie im Mai 1915 die russische Front bei Gorlice-Tarnow und warfen im Herbst dieses Jahres auch Serbien nieder. Unser Generaloberst von Seeckt wurde dann zu den Österreichern geschickt, um deren Truppen wieder auf Vordermann zu bringen und als Stabschef bei deren VII. Armee führen. 1918 erfolgte der Dolchstoß der Novemberverbrecher, der unser unbesiegtes deutsches Heer jäh zu Fall brachte. Unserem Generaloberst Seeckt bescherte dieser arglistige Verrat 1919 die Leitung des Stabes im Nordbereich unseres Grenzschutzes Ost und ab 1920 die Leitung der Reichswehr. 1923 schlug er mit dieser den Aufstand der Kommunisten in Sachsen nieder und widmete sich anschließend – in der Nachfolge Scharnhorsts – Plänen zur Wiederherstellung unserer deutschen Kriegsmacht. Und so erwirkten die Landfeinde 1926 seinen Sturz. Die erzwungene Untätigkeit nutzte unser Generaloberst von Seeckt zum Schreiben zahlreicher Bücher, die sich mit Fragen der Kriegsführung und der Staatskunst befassen und deren Lektüre sehr zu empfehlen ist. Da damals unsere deutschen Herzogtümer Schleswig und Holstein zu Preußen gehörten, darf der Marsch Preußens Gloria bei unserer kleinen Geburtstagsfeier für unseren Generaloberst von Seeckt nicht fehlen: https://www.youtube.com/watch?v=-TEGPelS3Ac Dazu lese ich ein weiteres Stück aus seiner berühmten Schrift über die Landesverteidigung vor: https://archive.org/details/SeecktLandesverteidigung

„Bei dem hier zu behandelnden Thema kann man die Frage des Pazifismus bei Seite lassen; dafür aber der nach einer möglichen Rüstungsbeschränkung noch etwas näher treten. Wir sahen schon, daß der berechtigte Wunsch nach Erleichterung der Rüstung an der staatlichen Pflicht der Selbstverteidigung seine Grenze findet. Die Auffassung von dieser Pflicht, die naturgemäß bei den verschiedenen Ländern ihrer Eigenart und Lage nach, aber auch nach ihren politischen Zielen ganz verschieden sein muß hatte zu einem Wettrüsten, und zwar im wesentlichen zur dauernden Steigerung der aktiven Streitkräfte geführt. In deren Bereithaltung und schneller gewaltiger Verstärkungsmöglichkeit lag, mehr psychologisch als materiell vielleicht, eine dauernde Bedrohung des Friedens. Es liegt also nahe bei einer Rüstungsbeschränkung hier den Hebel anzusetzen und zu versuchen, die Zahl der bereiten Streitkräfte durch Übereinkommen zu begrenzen. Hier zu einer Einigung zu kommen, also die jedem Staat nach seiner Größe und Lage zukommende stehende Heeresmacht der Zahl nach festzusetzen, scheint, wenn auch schwierig, doch nicht völlig aussichtslos. Zweifellos gehört viel Optimismus und Zutrauen in den allseitigen guten Willen dazu anzunehmen, daß die Völker Europas zu einem wirklichen und annähernd gerechten Rüstungsausgleich kommen könnten. In solchem Ausgleich der aktiven, also jeder Zeit bereiten Kräfte, scheint der einzige Weg zu gewissen Friedenssicherung durch Rüstungsbeschränkung zu liegen, wogegen es nicht ausführbar erscheint, in diesen Ausgleich die außer dem stehenden Heer im Volk befindlichen Kräfte hineinzuziehen. Diese Kräfte liegen auf den verschiedensten Gebieten, so in Zahl und Art der waffenfähigen Bevölkerung, in den verschiedenen materiellen Mitteln und in den geographischen Verhältnissen des Staates. Diese Ungleichheiten zu beseitigen oder gerecht gegen einander abzuwägen, erscheint unmöglich; denn man kann an der Tatsache doch nichts ändern, daß ein großes und reiches Land, immer auf militärischem Gebiet, wenn wir diesen Begriff in seinem ganzen Umfang fassen, stärker bleiben wird als kleines und armes, und daß Berge und Flüsse natürliche Stärken der Landesverteidigung sind, die der eine Staat besitzt, während sie dem andern fehlen. Der Versuch, die Sicherheitsquote, die ein Fluß oder ein Gebirge gewährt, in Bataillone oder Batterien umzurechnen, ist etwas schwierig. In dem Vorhandensein und in der vorbereiteten Ausnutzung dieser Hilfsquellen muß ein Staat die Möglichkeit einer Befriedigung seines nationalen Sicherungsbedürfnisses suchen, das ihm von außen vorzuschreiben nicht möglich ist. Ob man bei den Vorbereitungen der Nutzbarmachung der Hilfsmittel des Landes zu bestimmten internationalen Einschränkungen kommen kann, so zum Beispiel bei der Bereithaltung des Materials für Reserven, erscheint zweifelhaft. Der hier nur kurz gestreifte Gedanke der Bewertung der stehenden Heere vom Standpunkt der Friedenssicherung aus, ist bei den folgenden Erwägungen festzuhalten…“

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